HINTERGRUND - ZAHLEN - DATEN
Hintergrund der Vereinsgründung ist die in den letzten
Jahren zu beobachtende Verschlechterung ambulanter psychiatrischer
Versorgungsmöglichkeiten gerade für psychisch schwer
Kranke. Dies betrifft Einschränkungen im Bereich der Psychotherapie,
der medikamentösen Behandlung (Regress bei Verordnung neuer
nebenwirkungsärmerer Medikamente) wie auch der psychiatrisch/psychotherapeutischen
Basisversorgung.
Beispielsweise sind heute die pro Quartal für die psychiatrische
Behandlung eines schizophrenen oder schwer depressiven Patienten
zur Verfügung stehenden Mittel von ca. 35 € bereits
nach maximal 2 Behandlungs-/Untersuchungsterminen aufgebraucht.
WHO-Vorgaben und nationale wie internationale Leitlinien
für die Behandlung schizophrener und depressiver Patienten
fordern hingegen weitaus häufigere Gesprächskontakte,
Angehörigen-Gespräche, ggf. Hausbesuche und aktive
Koordinierungstätigkeit im Sinne eines „case managements“.
Die Tatsache einer markanten ambulanten Unterversorgung schwer
psychisch Kranker wird von Betroffenen- und Angehörigenverbänden
sowie in Fachkreisen zunehmend beklagt; z.B. in der » Stellungnahme
von Prof. M. Berger, Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde
(DGPPN).

ZAHLEN & DATEN
Knapp ein Drittel aller Frühberentungen und 44 % aller
Arbeitsunfähigkeitstage sind durch psychische Erkrankungen
begründet. Nach KBV-Statistik steht dem ein Honorar für
psychiatrische Behandlung von weniger als 2% aller ambulanten
ärztlichen Leistungen gegenüber – ein offenkundiger
Missstand.
Von ca. 8,7 Millionen € Ausgaben der Krankenkassen für
die psychiatrische Versorgung pro 100 000 Einwohnern gehen
noch immer mehr als die Hälfte - nämlich 58 % -
in die stationäre Versorgung. Folgt man Studien und den
Erfahrungen in anderen Ländern, liegen hier bei adäquater
Ausstattung des ambulanten Bereiches die größten
qualitativen wie auch soziökonomischen Entwicklungsreserven.
Von den jährlichen Ausgaben der Kassenärztlichen
Vereinigungen für die gesamte psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung in Höhe von 2,9 Millionen € pro 100 000
Einwohnern entfallen mehr als 75%dieser Ausgaben auf Leistungen
der Psychotherapie. (» Analyse
der MHH Hannover, Dt. Ärzteblatt, Heft 44 vom 31.10.03)
Psychotherapie bei schizophren oder affektiv-psychotisch
Erkrankten ist in Form der klassischen Antragspsychotherapie
ohnehin erschwert zu realisieren und bedarf besonderer Qualifikation
der Therapeuten. Von den Krankenkassen wird sie äußerst
restriktiv finanziert. Für die Psychotherapie bedeutet
das eine grobe Fehlversorgung und Besserstellung der leichter
Kranken zu Lasten der Schwerkranken.
In Berlin wurden die Anzahl der psychiatrischen Betten von
5429 (1993) auf 2884 (2001) reduziert. Das führte zwangsläufig
zu einer vermehrten Inanspruchnahme psychiatrischer Praxen
– ohne dass diesen entsprechende Mittel zur Verfügung
gestellt wurden.
Der Verein für Psychiatrie und seelische Gesundheit
hat die klare Zielsetzung, durch ein Sektor übergreifend
und multiprofessionell ausgerichtetes Engagement die problematische
ambulante Versorgungssituation der Berliner Patienten mit
schizophrenen und affektiven Psychosen nachhaltig im Sinne
einer qualitätsgesicherten Versorgung zu verbessern.
Dr. N. Mönter
1. Vorsitzender
Berlin, 15.Januar 2004
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